Bericht vom 3. Treffen zum Thema Bildungs- und Erziehungspartnerschaft vom 03.07.2014

Am 03.07. kamen knapp zwanzig Eltern und Fachkräfte zusammen, um Vorträge zum Thema zu hören und sich anschließend zu verschiedenen Schwerpunkten auszutauschen. Obwohl es ein Wunsch- und Wahlthema von Eltern gewesen ist, waren leider nur sehr wenig Eltern (8) anwesend. Unsere Referentinnen waren trotzdem sehr motiviert und haben uns alle vorab in der Einladung übermittelten Fragen beantwortet.

Den Auftakt machte Herr Witte, pädagogischer Geschäftsführer des Eigenbetriebs. Er informierte zunächst kurz über die Entstehung des Eigenbetriebs, die aktuellen Zahlen und die Historie die hinter dem Begriff Bildungs- und Erziehungspartnerschaft steht. Das Thema steht seit Gründung des Eigenbetrieb im Vordergrund und ist ein fester Bestandteil des Leitbildes unseres Trägers. Herr Witte berichtete über die langjährige Arbeit der AG Erziehungspartnerschaft. Als ein Ergebnis dieser Arbeit stellte er die Leitlininien des Trägers zur Erziehungspartnerschaft mit den Eltern vor. Die Zusammenarbeit mit den Eltern (die weit über das Backen von Kuchen, Organisieren von Festen oder Arbeitseinsätzen hinausgeht) ist unserem Träger äußerst wichtig.

Als Impuls referierte Frau Vorholz, seit 2007 u.a. Betreuerin der o.g. AG Erziehungspartnerschaft, allgemein zum Thema Bildungs- und Erziehungspartnerschaft. Dabei machte sie deutlich, das es in der Beziehung zwischen Eltern und Fachkräften wie in jeder Beziehung auch mal schwierig sein kann. Eltern sollen aber mutig sein, Konflikte auf den Tisch zu bringen und Fachkräfte sollen auch mutig sein Konflikte aus den Tisch zu bringen. Beide Seite haben das Wohl des Kindes im Auge. Die Eltern sind dabei die Experten für ihr Kind und die Fachkräfte sind die Kita-Experten, auch vor dem Hintergrund der pädagogischen Arbeit und Ausbildung. Die lösbare Herausforderung ist die gegenseitige Begegnung auf Augenhöhe. Eltern und Fachkräfte blicken aus unterschiedlichen Perspektiven auf das Kind. Bildungs- und Erziehungspartnerschaft bedeutet, diese Blicke zusammenzuführen.

Mit ihren Erfahrungen als Erzieherin, Kitaleiterin und Mutter wusste Frau Vorholz zu berichten, dass „Tür- und Angelgespräche“ schwierig sein können. Für die Fachkräfte ist es ein Balanceakt zwischen Aufmerksamkeit für das Gespräch mit den Eltern und der Aufsicht über die Kinder, der aber meistens gut bewältigt wird. Jede Minute die sich Erzieher/innen für Tür- und Angelgespräche nehmen, ist Zeit die für die Arbeit mit den Kindern verloren geht. Trotzdem sind die Gespräche wichtig. Frau Vorholz empfiehlt diese Gespräch für die einzelne Familie max. einmal pro Woche für zwei bis fünf Minuten zu führen. In besonderen Situationen auch zweimal pro Woche. Weiterer Gesprächsbedarf sollte individuell vereinbart werden. Im späteren Verlauf des Treffen berichteten Frau Konitz und Frau Hertwig (Mitglieder der AG „Erziehungspartnerschaft und Leiterinnen von Kindergärten im Eigenbetrieb)aus ihrer Praxis. Zu den Möglichkeiten der individuellen Vereinbarung wurden von den beiden Kitaleiterinnen und den anwesenden Gästen folgende Bespiele genannt:

  • Eltern-Hefte zum Eintragen von „besonderen“ Situationen und kurzen Berichten vom Tag
  • Aushänge mit „Sprechzeiten“ für Erzieher/innen auf denen die Eltern Zeiträume für Gespräche buchen können
  • Telefonate, z.B. während der Schlafenszeit in denen Eltern telefonisch Gesprächen führen können
  • Einsatz „neuer Medien“, dieser Punkt wurde von Eltern und Fachkräften ablehnend und kritisch diskutiert, da auf diesem Weg keine Emotionen transportiert werden können, die bei einigen Gesprächsthema wichtig sind


Wichtig für die Tür- und Angelgespräche sind auch gezielte Fragen. Fragen wie: Was gab es besonderes? oder Wie war der Tag? sind dabei nicht hilfreich und führen meist zu unbefriedigenden Antworten a la „Nichts, alles okay.“ Hingegen gezielte Fragen nach dem Umfang der Nahrungsaufnahme, der Beteiligung an Aktivitäten im Tagesablauf, an Projekten etc. können leicht beantwortet werden. Wenn Eltern die Bezugserzieher/innen ihres Kindes aus verschiedenen Gründen nicht persönlich antreffen, kann z.B. von den vorgenannten Beispielen Gebrauch gemacht werden.

Beim Thema Übergänge berichteten alle Referentinnen einstimmig, wie wichtig Fragen der Eltern sind. Erziehungs- und Bildungspartnerschaft läuft u.a. auch nach dem Motto „Nur redenden Menschen kann geholfen werden.“ Es gibt verschiedene Arten von Übergänge. Beim Übergang von der Familie in die Kita ist der Prozess der Eingewöhnung für Kinder und Eltern sehr wichtig. Hier muss den Eltern deutlich vermittelt werden, warum die Einführung etappenweise durchgeführt wird. Und auch Eltern wollen hier gefragt werden, wie sie sich bei der Eingewöhnung fühlen. Wenn man als Mutter oder Vater z. B. an die Eingewöhnung an einen neuen Arbeitsplatz denkt und mal überlegt, wie lange dieser Prozess dauert, sind die vier Wochen, in denen unsere Kinder den Wechsel von zu Hause in die Kita mit völlig neuen Bezugspersonen schaffen sollen, eine kurze Zeit. Auch wenn es wirkt, als wären die Kinder in der Kita angekommen, sollte man ihnen noch ein wenig mehr Zeit geben. Besonders bewährt haben sich Eltern-Kind-Gruppen in der Kita, als eine Maßnahme, um den Prozess der Eingewöhnung schon vor der Aufnahme in der Kita am Ort der Kita zu verlängern. So haben alle Beteiligten noch mehr Zeit, sich und die neue Umgebung kennenzulernen. Für den Übergang in die Kita gibt es zwei Leseempfehlung
Kita-Fibel (kostenloser Download unter http://www.berlin.de/imperia/md/content/bamarzahnhellersdorf/publikationen/jugendamt/kita/kita_fibel.pdf?start&ts=1358499769&file=kita_fibel.pdf)
Remo Largo - Babyjahre (beim Buchhandel ihres Vertrauens)

Ein weiterer Übergang ist der Wechsel von Erzieher/innen und Gruppen. Auch dieser Übergang wird etappenweise durchgeführt. Die/Der neue Erzieher/in geht zeitweise mit in die Gruppe oder Kinder gehen zeitweise in die neue Gruppe. Dieser Zeitraum wird dann immer länger, bis der Übergang abgeschlossen ist. Dieser Prozess wird auch mit mehreren Elterngesprächen begleitet, wo die Eltern den Erzieher/innen ihre Eindrücke und Sorgen schildern, Hinweise und Wünsche äußern können. Beim letzten Gespräch werden die Eltern gefragt, ob auch Sie den Übergang als abgeschlossen betrachten oder ob es andere Sichtweisen gibt, auf die dann individuell eingegangen wird.

Der Übergang Kita-Grundschule wurde ebenfalls kurz thematisiert. Hier sind Kooperationen zwischen Kitas und Schulen aus dem Einzugsbereich der Kinder sehr wichtig. So kann der Übergang für die Kinder spannend gestaltet werden. Lehrer/innen und Schüler/innen der 1. Klasse besuchen die Kinder in der Kita. Die Kita-Kinder lassen sich von den Erstklässlern vorlesen und schauen sich deren Schultaschen an. Weitere Informationen zu dem Thema finden Sie unter http://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/transkigs-transfer_berlin.html

Der Umgang mit den verschiedenen Übergängen ist in der Konzeption jeder Kita fest verankert. Schauen Sie sich bitte an, wie die Übergänge in ihrer Kita gestalten werden (sollen).

Ein weiterer Teil der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft sind individuelle Entwicklungsgespräche. Hierbei sollen Eltern und Erzieher/innen über das Kind ins Gespräch kommen. Diese Gespräche sollen nach ausdrücklicher Bestätigung von Herrn Witte zweimal pro (Kita-)Jahr durchgeführt werden (Handreichung zum pädagogischen Beobachten und Dokumentieren des Trägers) und werden im aktualisierten BBP mindestens einmal jährlich gefordert. Als Richtwert für die Dauer sind 45min bis eine Stunde vorgesehen. Kürzer sollen die Gespräche nicht sein. Sie sollten aber auch nicht länger als zwei Stunden dauern. Als Materialen zur Unterstützung der Gesprächen sollen das Sprachlerntagebuch, ggf. eigene Portfolios der Kinder und die Dokumentationen der Erzieher/innen zum Einsatz kommen. Es wird auch empfohlen, dass Eltern vor dem Gespräch einem maximal 1,5seitgen Entwicklungsbericht erhalten. Dieser kann als Leitlinie für das Gespräch genutzt werden und gibt den Eltern die Gelegenheit sich vorab Fragen zu überlegen, die im Entwicklungsgespräch gestellt werden können. Eltern können auch vor dem Gespräch den Erzieherinnen Fragen geben, die dann im Gespräch beantwortet werden. Wichtig ist, dass im Gespräch auch die Eltern berichten, wie es zu Hause läuft, welche Punkte sie zu Hause beobachten, die ggf. von den Beobachten in der Kita abweichen, um mögliche Gründe zu finden, die dann in individueller Absprache justiert werden können.
Das Gespräch soll für alle Gesprächspartner in einer angenehmen Atmosphäre z. B. mit Getränken stattfinden.

Selbstverständlich kann und darf es in einer Partnerschaft auch mal eine Meinungsverschiedenheit und einen Streit geben. Dazu gehört auch ein Beschwerdemanagement und Beschwerdekette. Kritiken von Eltern sollen von den Fachkräften Ernst genommen werden. Beschwerden sollen auch als Chance gesehen werden, Dinge zu verbessern. Dazu können zwischen den Konfliktparteien Zielvereinbarungen geschlossen werden. Es wird die Verwendung einer Beschwerdekette empfohlen. Auf Basis des gegenseitigen Vertrauens sind die ersten Ansprechpartner die Erzieher/innen und Elternsprecher/innen der Gruppe. Wenn das Problem auf dieser Ebene nicht gelöst werden kann, stehen die Kitaleiter/innen und die Hauptelternvertreter/innen der Kita als Ansprechpartner/innen zur Verfügung. Hier werden die meisten Probleme gelöst. Sollte das nicht der Falls sind stehen der Träger und der Elternbeirat unterstützend an der Seite der Eltern. Spätestens hier wurden bisher alle Probleme gelöst. In letzter Instanz gibt es die Einrichtungsaufsicht des Landes Berlin, die bei der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft ansässig ist. Hier werden aber zumeist große Probleme, wie Verstöße zur Sicherstellung des Schutzes von Kindern oder Kindeswohlgefährdung verfolgt. Andere Probleme werden erst nach Einhaltung der vorgenannten Beschwerdekette bearbeitet.

Ein Fazit
Für den Aufbau der Erziehungs- und Bildungspartnerschaft zwischen Eltern und Erzieher/innen gibt es keine festgeschriebenen Lösungen oder Vorgaben. Es müssen, wie in jeder anderen Partnerschaft auch, individuelle Ansätze verfolgt werden. Beide Partner müssen offen sein und immer im Gespräch sein und bleiben. Die aktualisierten Qualitätskriterien des Eigenbetriebes Kindergärten NordOst zur Erziehungspartnerschaft (Stand Mai 2014) bilden dafür eine qualifizierte Grundlage.

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